Menden/Budapest - Ungarische Volkslieder, 350 Gäste und eine prächtige Kulisse im Museum der schönen Künste: Auch Gerhard Schröder fühlte sich in Budapest als Schirmherr der Benefizgala für das Petö-Institut richtig wohl. Spontan spendete der frühere Bundeskanzler 5.000 Euro nach der Gesangsvorstellung behinderter Kinder und Jugendlicher. Eigentlich war Schröder auf Einladung des Mendener Elektrounternehmers Ulrich Bettermann am Samstagabend (29. Mai) nach Budapest gekommen, um Freunde und Förderer für das Petö-Institut zu gewinnen. Doch er ging selber mit bestem Beispiel voran und unterstütze aus eigener Tasche die Therapieeinrichtung für körperbehinderte Kinder mit Verletzungen des zentralen Nervensystems. Noch während der Gala kam ein hoher fünfstelliger Betrag zusammen, obendrein weitere Spendenzusagen.
Zur selben Zeit spielten die deutsche und die ungarische Fußball-Nationalmannschaft gegeneinander. „Das hätte ich schon gern gesehen und so mancher von Ihnen vermutlich auch. Noch wichtiger aber ist es mir, das Petö-Institut, seine Patienten, Ärzte und Pfleger zu unterstützen, in der Hoffnung, dafür viele Freunde und Förderer zu finden“, sagte der frühere deutsche Regierungschef in seiner Rede und ließ auch Politik und Zeitgeschichte nicht unerwähnt. „Deutschland und Europa haben Ungarn viel zu verdanken“, so Schröder. Der Beitrag Ungarns bei der Öffnung und Überwindung der Grenzen in Europa vor zwei Jahrzehnten bleibe unvergessen. „Diese historische Leistung hat Millionen Menschen Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebracht. Aber auch eine äußere Sicherheit, die unser Kontinent – geprägt durch verheerende Kriege – über Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht gekannt hat.“
Vom Petö-Institut hab er schon seit Jahren viel Gutes gehört, sagte Schröder und verwies auf seinen Freund Ulrich Bettermann, der hier Anfang der 1990er Jahre Hilfe für seinen behinderten Sohn Christoph gesucht und gefunden hatte. Christoph Bettermann ist seit Kindertagen spastisch gelähmt, weil ein Narkosegerät bei einer harmlosen Operation versagte. Er lebt die meiste Zeit des Jahres in Budapest, spricht ungarisch und hat in der OBO Gesellschaft in Bugyi bei Budapest mit 600 Mitarbeitern seine feste Aufgabe. „Ich kenne Vater und Sohn gut und weiß, welche Fortschritte Christoph gemacht hat. Wenn man den jungen Mann von inzwischen 25 Jahren trifft, dann sieht man ihn stets munter und fröhlich“, so Schröder. Vater und Sohn seien so gut wie unzertrennlich. Der frühere Kanzler erwähnte den gemeinsamen therapeutischen Ansatz bei behinderten Kindern und ihren Eltern als Teil der Behandlungs-Methoden im Petö-Institut.
Die Behandlungsmethode dort entwickelt die ganzheitliche, komplexe Persönlichkeitsförderung und baut auf aktivem Lernen auf. Bewegung, Sprache, Intellekt, Wahrnehmung, Sinnesempfindung, Wille und Emotionen von Kindern aus ganz Europa werden hier gleichzeitig gefördert. OBO Bettermann Hungary Kft., Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Menden/Deutschland, ist einer der Hauptsponsoren der gemeinsamen Petö-Therapie für behinderte Kinder, deren Eltern und Familien.
Gerhard Schröder und Ulrich Bettermann waren am Samstag mit „OBO Airlines“ vom Flugplatz Menden/Arnsberg über Hannover nach Budapest geflogen. Der frühere Bundeskanzler übernachtete im Gästehaus von Christoph Bettermann auf dem ungarischen OBO-Firmengelände. Am Sonntag (30. Mai) unternahmen Gerhard Schröder, Ulrich und Christoph Bettermann bei herrlichem Sonnenwetter einen gemeinsamen Ausflug zum Plattensee, ehe es am Nachmittag nach Deutschland zurückging.
30. Mai 2010