Menden – Der Fall der Mauer vor zwanzig Jahren ist auch für Ulrich Bettermann ein besonderer Tag gewesen. Mit den Berliner Jubiläumsfeiern wurden beim geschäftsführenden Gesellschafter von OBO Bettermann Erinnerungen wach. „Das waren Glücksgefühle“, beschreibt der Mendener Unternehmer seine Stimmung in jenen Novembertagen 1989, „aber auch die Sorge, wie die Großmächte und vor allem die noch existierende Sowjetunion mit ihren Truppen in der DDR reagieren würden. Es hätten auch Schüsse fallen und Panzer rollen können.“
Bettermann war nicht nur Zeitzeuge, sondern auch in manche Vorbereitungen zur endgültigen Überwindung von Unfreiheit und Teilung eingebunden. „Der Fall der Mauer in Berlin bedeutete das Ende der Teilung Deutschlands und des Kontinents.“ Ulrich Bettermann ging gleich am Anfang vom Ende des kalten Krieges in Europa mit dem damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf Reisen nach Prag und Budapest. Der Mendener bekam auch einiges von den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen der Siegermächte des zweiten Weltkriegs und noch bestehenden beiden deutschen Staaten zur vollen Wiederherstellung der Souveränität und Wiedervereinigung Deutschlands direkt mit.
Die erste Großveranstaltung außerhalb der staatlich-politischen Sphäre, die das Wirken des Moskauer Staatschefs Michail Gorbatschow für die Überwindung der Teilung würdigte, war 1993 das „Mendener Forum“. Ulrich Bettermann hatte dieses Treffen mit Gorbatschow, Genscher, dem früheren amerikanischen Außenminister Henry Kissinger und tausend Gästen auf dem OBO-Gelände organisiert. „Gorbatschow, Kissinger und Genscher sind Staatsmänner, die Europa und die Welt verändert haben.“ Das Mendener Forum machte dies damals deutlich und wurde unter der Moderation des bekannten Fernsehjournalisten und späteren WDR-Intendanten Fritz Pleitgen komplett im Fernsehen übertragen. Die öffentliche Resonanz reichte bis Peking. Die „China Daily News“ brachten ein Foto der vier in Menden mit Gorbatschow, Kissinger, Genscher und Ulrich Bettermann auf der Titelseite.
Gorbatschow und Bettermann haben sich seitdem mehrmals wiedergesehen, oft zusammen mit Genscher. Die Erinnerung an das Mendener Forum ist bei allen nicht verblasst und auch nicht an Gorbatschows Frau Raissa, die damals in Menden dabei war und deren Krebserkrankung wenige Jahre später am Universitätsklinikum im nahen Münster über Wochen behandelt wurde. Michail Gorbatschow war damals fast ständig bei seiner Frau am Krankenbett und nutze seinen Aufenthalt in Westfalen auch zu einigen Treffen mit seinen beiden deutschen Freunden.
„Bei allen Problemen sollten wir glücklich sein, die deutsche Einheit in Freiheit und Frieden errungen zu haben. Aber denken sollten wir auch an die vielen Toten an der deutsch-deutschen Grenze und das Leid der Familien. Vor diesen Opfern und ihrem Mut verbeuge ich mich“, sagt Ulrich Bettermann heute im Rückblick von zwanzig Jahren.
10. November 2009